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<title>Segankuru</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Segankuru</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Segankuru</b>, auch <i>serankure, segaba</i> und <i>sebinjolo</i>, ist eine im <a href="S%C3%BCdliches_Afrika" title="Südliches Afrika">südlichen Afrika</a> verbreitete, mit einem <a href="Streichbogen" class="mw-redirect" title="Streichbogen">Bogen</a> gestrichene, einsaitige Schalen<a href="Zither" title="Zither">zither</a>. Der aus einer halb zusammengedrückten Blechdose bestehende <a href="Resonanzk%C3%B6rper" title="Resonanzkörper">Resonanzkörper</a> befindet sich am oberen Ende des Saitenträgerstabes, den der Spieler über eine Schulter gelegt hat, während er seine Lieder begleitet. Der Holzstab ist über fast die gesamte Länge an der Oberseite schalenförmig ausgearbeitet und trägt somit zur Klangverstärkung bei. Das wesentliche Element der schwierig zu erlernenden Spielweise sind kreisförmige Bewegungen mit dem Bogen über die Saite, während gleichzeitig die Stärke der Streichbogenbespannung geändert wird, wodurch einzelne <a href="Oberton" title="Oberton">Partialtöne</a> herausgefiltert werden können.
</p><p>Das in unbekannter Zeit vermutlich als Weiterentwicklung der mit einem <a href="Mundbogen" title="Mundbogen">Mundbogen</a> verwandten Rinnenzither <i><a href="Tshidzholo" title="Tshidzholo">tshidzholo</a></i> entstandene Saiteninstrument kommt in <a href="Botswana" title="Botswana">Botswana</a> und darüber hinaus in Variationen und mit verschiedenen Namen in den angrenzenden Ländern <a href="Namibia" title="Namibia">Namibia</a>, <a href="Simbabwe" title="Simbabwe">Simbabwe</a>, <a href="S%C3%BCdafrika" title="Südafrika">Südafrika</a> und <a href="Lesotho" title="Lesotho">Lesotho</a> vor. Bei der südafrikanischen Stabzither <i><a href="Isankuni" title="Isankuni">isankuni</a></i> ist als Resonator ein Blechkanister angebracht, der beim Spiel nach unten gehalten wird.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft">Herkunft</h2></div>
<p>Die einfachsten Saiteninstrumente sind <a href="Musikbogen" title="Musikbogen">Musikbögen</a>, deren flexibler und gebogener Saitenträger eine mit beiden Enden verbundene Saite unter Spannung hält. Verläuft eine vorgespannte Saite parallel zwischen den Enden eines starren Saitenträgers, so ist das Ergebnis eine Stabzither (oder Musikstab). Nach der Form des in Afrika in der Regel hölzernen Saitenträgers werden Musikstäbe mit Plattstab, bei denen die Saite über die schmale Seite eines hochkant gestellten Trägers verläuft, von solchen mit (einem meist langen) Rundstab unterschieden. Die zuerst genannten kommen überwiegend in Ostafrika, die letzteren in <a href="Uganda" title="Uganda">Uganda</a> und Westafrika vor.
</p><p>Damit die Saite parallel zum Träger frei schwingen kann, müssen auf beiden Seiten Abstandshalter unterlegt werden. Bei der <i>segankuru</i> hebt dagegen ein langer Stimmwirbel die an seinem Ende angebundene Saite in einem spitzen Winkel einseitig vom Träger ab. Eine dritte Möglichkeit stellen die Kerbstegzithern mit mehreren Saiten dar, bei denen wie bei der kamerunischen <i><a href="Mvet" title="Mvet">mvet</a></i> die Saiten über einen mittig aufgestellten Steg laufen und mit dem Träger ein flaches, annähernd gleichschenkliges Dreieck bilden.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ein- oder mehrsaitige Stabzithern benötigen eine separate Resonanzverstärkung, ebenso Brettzithern wie die <i><a href="Bangwe" title="Bangwe">bangwe</a></i> in Malawi, die zur Resonanzverstärkung in eine Kalebassenhalbschale oder einen Blechkanister gehalten wird. Saitenträger, die zugleich als Resonanzkörper fungieren, bestehen aus einer Röhre: Röhrenzithern (<i><a href="Valiha" title="Valiha">valiha</a></i> in <a href="Madagaskar" title="Madagaskar">Madagaskar</a>) oder aus einer Schale: Schalen- oder Trogzithern, die abgesehen von der <i>segankuru</i> praktisch nur in Ostafrika vorkommen (<i><a href="Inanga" title="Inanga">inanga</a></i> in Burundi). Kastenförmige Resonanzkörper (Kastenzithern) nach orientalischen oder europäischen Vorbildern sind in Afrika nicht verbreitet. Schalenförmige Resonanzkörper besitzen neben den Zithern, deren Saiten über die Öffnung der Schale verlaufen, auch <a href="Leier_(Zupfinstrument)" title="Leier (Zupfinstrument)">Leiern</a>, deren Saiten in der Deckenebene bis zu einer darüber hinausragenden Jochstange führen (<i><a href="Beganna" title="Beganna">beganna</a></i> in Äthiopien, <i>endongo</i> in Uganda, <i>obokano</i> in Kenia). In Botswana sind auch <a href="Pluriarc" title="Pluriarc">Pluriarcs</a>, mehrsaitige Musikbögen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Leiern haben, in Gebrauch (bei den <a href="Bantu" title="Bantu">Bantu</a> <i>cihumba</i>)<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Die <a href="Klassifizierungen_von_Musikinstrumenten" title="Klassifizierungen von Musikinstrumenten">Klassifizierung</a> der <i>segankuru</i> als Schalen- oder Trogzither mit Resonator erfolgt gemäß der <a href="Hornbostel-Sachs-Systematik" title="Hornbostel-Sachs-Systematik">Hornbostel-Sachs-Systematik</a> (315.2), weil der Trägerstab, über den die Saite verläuft, in den meisten Fällen muldenförmig ausgehöhlt ist. Dass üblicherweise nur <a href="Lauteninstrument" title="Lauteninstrument">Lauteninstrumente</a> – in Afrika etwa die ugandische Röhrenspießgeige <i><a href="Endingidi" title="Endingidi">endingidi</a></i> – mit dem Bogen gestrichen werden, fällt bei dieser nach Strukturmerkmalen vorgenommenen Einteilung nicht ins Gewicht. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland einen Versuch, eine mit dem Bogen gestrichene Kastenzither einzuführen, ansonsten sind Streichzithern nur aus Ostasien bekannt, wo sie seit der <a href="Tang-Dynastie" title="Tang-Dynastie">Tang-Dynastie</a> (618–907) nachgewiesen sind:<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die mit einem Holzstab gestrichenen Wölbbrettzithern <i><a href="Ajaeng" title="Ajaeng">ajaeng</a></i> in Korea und <i>yazheng</i> in China.
</p><p>Mit einem angerauhten Holzstab werden im südlichen Afrika auch die Saiten einiger Mundbögen gestrichen. Nach der auf harmonischen Obertönen basierenden Spielweise besteht eine enge Verbindung zwischen der <i>segankuru</i> und Mundbögen. Die Resonanz erzeugende Eigenschaft des schalenförmigen Saitenträgers bringt die <i>segankuru</i> mit den ostafrikanischen Röhrenspießgeigen, die durch arabische Händler eingeführt wurden, zusammen. Dieselbe Methode wie bei der <i>segankuru</i>, ausgehend von einem massiven Saitenträgerstab, der praktisch keinen Einfluss auf den Klang nimmt, eine zusätzliche Klangverstärkung zu erzielen, ist beim Schrapbogen <i>kalyalya</i> zu beobachten, der um die ostangolanische Stadt <a href="Luau_(Angola)" title="Luau (Angola)">Luau</a> gespielt wird. Beim <i>kalyalya</i> (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen dreisaitigen Kastengeige in Angola) ist der Bogenstab nach dem Prinzip der <a href="Schlitztrommel" title="Schlitztrommel">Schlitztrommel</a> im mittleren Bereich ausgehöhlt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Verwendung eines Streichbogens verbindet die <i>segankuru</i> mit ein- und mehrsaitigen afrikanischen Fideln wie der <i><a href="Zeze_(Lauteninstrument)" title="Zeze (Lauteninstrument)">zeze</a></i> in <a href="Tansania" title="Tansania">Tansania</a>. Die <i>zeze</i> ist eine Schalenspießlaute mit einem tiefen hautbespannten Korpus.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Als separate Resonatoren von Musikbögen und <a href="Xylophon" title="Xylophon">Xylophonen</a> wie der <i><a href="Valimba" title="Valimba">valimba</a></i> in Malawi dienen überwiegend <a href="Kalebasse" title="Kalebasse">Kalebassen</a>. Vorläufer der Blechdosen an den Streichzithern sollen den Aussagen einiger Informanten zufolge früher Resonatoren aus Kalebassen oder steifen getrockneten Tierhäuten gewesen sein. Auch soll es früher Saiten aus Tiersehnen gegeben haben. Erhalten blieben solche Instrumente nicht.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Die zum Bau verwendeten Holzarten sind üblicherweise relativ leicht. Verwendet werden <i>Cussonia spicata</i> (<i><a href="Cussonia" title="Cussonia">Cussonia</a></i>-Art, <i>mosetse</i>), <i>Ozoroa paniculosa</i> (Familie der <a href="Sumachgew%C3%A4chse" title="Sumachgewächse">Sumachgewächse</a>, <i>monokane</i>), <a href="Zedrachbaum" title="Zedrachbaum">Zedrachbaum</a> (<i>Melia azedarach</i> L., <i>mosalaosi</i>), Knotenfruchtbaum (<i>Maerua schinzii</i> Pax, <i>moomane</i> oder <i>moratletla</i>) und seltener das schwerere Holz von
<a href="Mopane" title="Mopane">Mopane</a> (<i>Colophospermum mopane</i>). Das möglichst gerade Holzstück wird von Zweigen befreit und mindestens zwei Wochen in der Sonne getrocknet oder in ein offenes Feuer gelegt, um die Rinde abzubrennen. Die Mulde wird mit einem <a href="Dechsel" title="Dechsel">Dechsel</a> (<i>petlwana</i>) bis zur Form eines Kanus herausgeschält.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Saitenträger der <i>segankuru</i> ist zwischen 90 und 110 Zentimeter lang bei einem Durchmesser von fünf bis sieben Zentimetern.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> John Brearley beschreibt ein typisches Exemplar mit einem Stab von 86 Zentimetern Länge und sechs Zentimetern Durchmesser, bei dem auf fast der gesamten Länge eine Mulde ausgeschält ist. Hier beträgt die freie Länge der Saite 74 Zentimeter.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Unterschied zur üblichen Position oben bei einem senkrecht gehaltenen Saiteninstrument befindet sich der Stimmwirbel am unteren Ende. Der runde Holzdübel wird durch ein Loch im Saitenträger einige Zentimeter vor dessen Ende gesteckt und ragt auf beiden Seiten mindestens eine Handbreit heraus. Zum Stimmen muss er mit der ganzen Hand fest umfasst werden. Vom äußeren Ende des Wirbels verläuft eine Drahtsaite schräg bis zum oberen Ende des Trägers. Bei manchen Instrumenten führt die Saite über eine Art <a href="Sattel_(Saiteninstrument)" title="Sattel (Saiteninstrument)">Sattel</a> aus einem untergeschobenen beliebigen Material hinweg, der knapp unterhalb des Resonators positioniert ist. Als Resonator (<a href="Setswana" title="Setswana">Setswana</a> <i>phomphokgo</i>) dient eine übergestülpte Fünf-Liter-Öldose, deren Deckel abgeschnitten ist und die seitlich passend auf die Breite des Trägerstabes zusammengedrückt und bei Bedarf festgenagelt wird. In den Dosenboden können einige Schalllöcher geschnitten sein.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Wie viele afrikanische Musikinstrumente kann die <i>segankuru</i> mit Rasselkörpern ausgestattet sein, in diesem Fall etwa mit Drahtringen, die in Bohrlöchern an der Unterkante der Blechdose befestigt sind.
</p><p>Der Streichbogen besteht aus einem stark gekrümmten Zweig, der meist mit Rinderschwanzhaaren bespannt ist, deren Länge 20 bis 35 Zentimeter beträgt. Bevorzugt werden möglichst feste Haare, wobei der Bogen wegen der kurzen Schwanzhaare des Rindes zwangsläufig so klein ausfällt. Als <a href="Kolophonium" title="Kolophonium">Kolophonium</a> wird das Harz (Setswana <i>borekhu</i>) eines in Botswana <i>moroka</i> genannten Baumes der Gattung <i>Commiphora</i> (Familie der <a href="Balsambaumgew%C3%A4chse" title="Balsambaumgewächse">Balsambaumgewächse</a>) verwendet. Ein Harzklumpen klebt normalerweise am unteren Ende des Instruments hinter dem Wirbel in einer eigens geschaffenen Vertiefung.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für die südafrikanische Provinz <a href="Ostkap" title="Ostkap">Ostkap</a> erwähnt David Rycroft 1966 neben mehreren, mit einem Holzstab gestrichenen Mundbögen und mit Resonanzkörpern ausgestatteten Musikbögen eine anders konstruierte Streichzither namens <i>isigankuri</i>, die im dortigen <a href="Pondoland" title="Pondoland">Pondoland</a> nach Aussage von <a href="Percival_Robson_Kirby" class="mw-redirect" title="Percival Robson Kirby">Percival Robson Kirby</a> Anfang der 1930er Jahre als <i><a href="Isankuni" title="Isankuni">isankuni</a></i> bezeichnet wurde. Laut Kirby war die <i>isankuni</i> wenig zuvor aus dem Norden eingeführt worden. Die <i>isankuni</i> (<i>isigankuri</i>) mit einer freien Saitenlänge von etwa 75 Zentimetern ist eine umgedrehte Version der <i>segankuru</i>, bei der sich ein Blechkanister am unteren Ende befindet. Sie besitzt keinen Stimmwirbel und geht möglicherweise auf den Mundbogen <i>umqunge</i> zurück, der nur bei den Pondo vorkommt. Die <i>isangkuni</i> ist noch einfacher als die <i>segankuru</i> konstruiert. Der Saitenträger wird schräg in einen offenen Blechkanister gesteckt und die Saite verläuft von dessen Ende bis zur unteren Ecke des Kanisters.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die klanglichen Variationsmöglichkeiten sind geringer als bei einem Mundbogen, weil das Volumen des Resonator-Kanisters während des Spiels nicht verändert werden kann.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verbreitung">Verbreitung</h2></div>
<p>Wann die <i>segankuru</i> eingeführt wurde, ist nicht bekannt. Eine der ersten Erwähnungen stammt aus dem Jahr 1928 von Dorothy Bleek, die Jugendliche der Nharo, die eine zu den <a href="San_(Volk)" title="San (Volk)">San</a> gehörende Gruppe von Sammlern und Jägern in der zentralen <a href="Kalahari" title="Kalahari">Kalahari</a> bilden, das Instrument spielen hörte. Es war mit einer Sehne bespannt und besaß bereits eine Blechdose als Resonator. Die Musiker befeuchteten die Bogenhaare mit den Lippen vor dem Spiel.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Etwas näher beschrieb 1932 Kirby die <i>segankuru</i>, die nach seiner Kenntnis in weiten Teilen des südlichen Afrika vorkam.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die bantusprachigen <a href="Venda_(Ethnie)" title="Venda (Ethnie)">Venda</a> spielten das bei ihnen <i><a href="Tshidzholo" title="Tshidzholo">tshidzholo</a></i> (<i>tsijolo</i>) genannte Instrument in der älteren Tradition nach dem Prinzip des Mundbogens mit dem Mund anstelle der Blechdose verstärkt. Mit der <i>tsijolo</i> verwandt ist das Wort der <a href="Batswana" title="Batswana">Batswana</a>, <i>sefinjolo</i>, das offensichtlich von <a href="Afrikaans" title="Afrikaans">Afrikaans</a> <i>viool</i> für „<a href="Violine" title="Violine">Violine</a>“ abgeleitet ist, mit <i>se-</i>, einem <a href="Pr%C3%A4fix" title="Präfix">Präfix</a> für Batswana-Substantive.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die bantusprachigen Batswana verwendeten sie für ein <i>sebatlo</i> genanntes Versteckspiel<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Der Name <i>segankuru</i> ist in Botswana insgesamt am weitesten verbreitet; im nordöstlichen <a href="Central_District_(Botswana)" title="Central District (Botswana)">Central District</a> kommt laut John Brearley (1996) <i>segaba</i> („etwas Geschnitztes“) häufiger vor, bei den Batswana ist <i>segankuru</i> gebräuchlich. Jürgen Schöpf (2008) beschreibt in seiner Monografie die Streichzither im South-West District als <i>serankure.</i><sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Herkunft des Wortes <i>segankuru</i> ist unbekannt. In der nahezu ausgestorbenen Khoisansprache Korana bedeutet <i>kuru</i> „machen“, der Wortbestandteil <i>gan</i> könnte von Afrikaan <i>kann</i> oder Englisch <i>can</i>, „Dose“ abgeleitet sein. Diese geteilte Wortherkunft würde zum Instrument passen, dessen aus der afrikanischen Tradition stammende Anordnung der Saite mit einem wohl von der europäischen Musikkultur beeinflussten Bogen gestrichen wird. Ein Streichholz gab es hingegen vermutlich bereits vor den Europäern.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><i>Segaba</i> kann auch einen Mundbogen bezeichnen, dessen Saite aus einer Palmblattfaser besteht, über die wie mit beim Mundbogen <i><a href="Umrhubhe" title="Umrhubhe">umrhubhe</a></i> der <a href="Xhosa_(Volk)" title="Xhosa (Volk)">Xhosa</a> mit einem Holzstab gestrichen wird. Im westlichen <a href="Ghanzi_District" title="Ghanzi District">Ghanzi District</a> heißt das Instrument bei den Nharo <i>poman</i> und bei einer anderen San-Gruppe <i>bajene</i>. Beide Namen scheinen nicht aus <a href="Khoisansprachen" title="Khoisansprachen">Khoisansprachen</a> zu stammen. Im <a href="North-West_District" class="mw-redirect" title="North-West District">Nordwesten</a> des Landes und in angrenzenden Gebieten von <a href="Namibia" title="Namibia">Namibia</a> fand Nicholas England in den 1950er Jahren bei der <a href="Khoisan" title="Khoisan">Khoisan</a>-Gruppe Zu/wasi den Namen <i>do&nbsp;n!ao</i> („Blechdosen-Bogen“). <i>Isiceleceshe</i> ist ein Wort der <a href="Zulu_(Volk)" class="mw-redirect" title="Zulu (Volk)">Zulu</a> in Südafrika, <i>gorito</i> eines der <a href="Damara" title="Damara">Damara</a> in Namibia.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weitere regionale Namen der Streichzither, die in den 1980er Jahren in Erfahrung gebracht wurden, sind <i>dinudi, siwumba</i> und <i>setinkane</i> und bei den Xhosa <i>ikatari</i>.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Bakgatla, eine Untergruppe der Batswana, nennen die Streichzither <i>sebinjolo</i> (<i>sebinjola</i>)<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>
<p>Der sitzende Musiker hält die <i>segankuru</i> gerade über eine Schulter gelegt und einem Winkel von etwa 45 Grad nach vorn mit der linken Hand am Wirbel, wobei sich die Blechdose in Höhe des Kopfes befindet. Mit dem Bogen in der rechten Hand streicht er quer über die Saite, in Kreisbewegungen oder elliptischen Bewegungen entlang der Saite. Mit Hilfe des Daumens außen an den Bogenhaaren kann er die Spannung während des Spiels erhöhen oder vermindern. Die Stärke der Bespannung hat einen wesentlichen Einfluss auf die erklingende Tonhöhe. Kommt der Spieler gemäß den Beobachtungen von John Brearley (1996) mit dem Bogen an eine Stelle der Saite, an der sich bestimmte <a href="Oberton" title="Oberton">Obertöne</a> ergeben, so spannt er die Bogenhaare an, um diese Töne klarer hervorzubringen. Dagegen ist nach einem neueren Erklärungsmodell von Jürgen Schöpf (2011) der Anstreichort unerheblich. Demnach bilden Bogen und Saite ein gekoppeltes Schwingungssystem, bei welchem der Spieler durch die gewählte Bogenspannung den Bogen in eine bestimmte Eigenschwingung versetzt, die dieser bei der Streichbewegung an die Saite übergibt.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zugleich kann der Spieler mit einem Finger der linken Hand an einer oder zwei Stellen die Saite berühren und so wie beim Musikbogen zwei oder drei Fundamentaltöne erzeugen. Zu jedem <a href="Grundton" title="Grundton">Grundton</a> kommen je nach Spielweise bis zu sechs (oder acht) Partialtöne hinzu, die durch die genannte Bogentechnik – also durch Spannen und Entspannen der Bogenhaare – isoliert werden. Bei einer besonderen Spielweise zupft der Spieler die Saite mit der Spitze des Bogens, wodurch er die rhythmische Struktur verstärkt.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Bogen wird ununterbrochen über die Saite bewegt, bis nach einigen Minuten der <a href="Stick-Slip-Effekt" title="Stick-Slip-Effekt">Haftgleiteffekt</a> nachlässt und die Bogenhaare mit Harz eingerieben oder mit Speichel angefeuchtet werden müssen. Dies sorgt für regelmäßige Unterbrechungen und, falls mehrere Musiker zusammenspielen, für eine Gelegenheit zur Unterhaltung. Anschließend setzt jeder nach Belieben sein Spiel fort.
</p><p>Für die <i>sebinjolo</i> genannte, mit der <i>segankuru</i> baugleiche Streichzither ist eine andere Spielposition üblich. Der Musiker fixiert den Resonator in seiner rechten Armbeuge, während er den Saitenträger quer über seinen Knien hält. Mit dem gestreckten Zeigefinger und gelegentlich dem Daumen seiner linken Hand verkürzt er die Saite an der gewünschten Stelle, wobei die übrigen Finger den Holzstab umfassen. Die meisten Musiker spannen den Bogen, indem sie mit dem Daumen von unten gegen die Bogenhaare drücken. Der Bogen wird bei der <i>sebinjolo</i> wenige Zentimeter vom Resonator entfernt quer über die Saite gestrichen. Auf harmonische Obertöne kommt es hierbei nicht an, sondern nur auf die Töne, die sich durch Verkürzen der Saite ergeben. Dies verbindet die <i>sebinjolo</i> mit der Schalenspießgeige <i>zeze</i> in Tansania.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Am häufigsten kommt die Spielweise mit zwei Grundtönen vor: Neben der leeren Saite wird mit dem Finger eine große <a href="Sekunde_(Musik)" title="Sekunde (Musik)">Sekunde</a> oder bei den Khoisan eine kleine <a href="Terz_(Musik)" title="Terz (Musik)">Musik</a> abgegriffen. Eher unüblich ist eine große Terz, die nur im Central District zu hören ist. All dies gilt gleichermaßen für die traditionelle Spielweise des Mundbogens. Wenn die <i>segankuru</i> jedoch in Jazzstilrichtungen wie <a href="Kwela" title="Kwela">Kwela</a>, <a href="Mbaqanga" title="Mbaqanga">Mbaqanga</a> oder Marabi vorkommt, die um die Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind, können beispielsweise vier Grundtöne mit einer großen Terz, einer <a href="Quarte" title="Quarte">Quarte</a> und einer <a href="Quinte" title="Quinte">Quinte</a> im Abstand zur leeren Saite gegriffen werden. Das Spielen auf der <i>segankuru</i> ist in jedem Fall schwierig zu erlernen.<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Traditionell ist die <i>segankuru</i> ein Instrument der Rinderhirten, die sie zur Liedbegleitung auf der Weide einsetzen. Die Musik soll dem Hirten die Zeit vertreiben und die Tiere beruhigen, damit sie sich möglichst nicht außer Hörweite fortbewegen.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Andere Instrumente, die früher von Rinderhirten gespielt wurden, sind das <a href="Lamellophon" title="Lamellophon">Lamellophon</a> <i>setinkane</i> (bei den Nharo <i>dongu</i> oder <i>dengu</i>), der Mundbogen <i>segorogoro</i>, Flöten und <a href="Okarina" title="Okarina">Okarinas</a>, zu denen Gitarren und Banjos hinzukamen. Beim <i>segorogoro</i> wird der gekerbte Bogenstab mit einem ebenfalls gekerbten geraden Holzstab gerieben, um zur Melodie ein Schrapgeräusch zu erzeugen.<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Kombination von Saitenmelodie und Rasselrhythmus ist die besondere Eigenschaft des Tsonga-Schrapbogens <i><a href="Xizambi" title="Xizambi">xizambi</a></i>.
</p><p>Die mit der <i>segankuru</i> begleiteten Lieder sind häufig lang, sie handeln in einer bildreichen Sprache von historischen Themen, von persönlichen Dingen oder sind Liebeslieder. Als Liedbegleitung werden meist nur wenige Töne in absteigenden Akkorden benötigt. Die Töne des Instruments müssen keine harmonische Begleitung der Gesangsstimme bilden. Die Gesangsmelodie bewegt sich in beliebigem Abstand oberhalb oder unisono mit der Instrumentalbegleitung.<sup id="cite_ref-29" class="reference"><a href="#cite_note-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Einem allgemeinen Trend bei traditionellen Musikinstrumenten folgend wird versucht, mit ihnen einen Gitarrenstil zu imitieren.<sup id="cite_ref-30" class="reference"><a href="#cite_note-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ungefähr in den 1940er Jahren wurde die <i><a href="Ramkie" title="Ramkie">ramkie</a></i>, eine viersaitige, selbst gebaute Gitarre mit Blechkanister, zum beliebtesten Instrument für die Liedbegleitung. Heute dominieren Gitarren nach westlichem Modell.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
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<li>John Brearley: <i>Music and Musicians of the Kalahari.</i> In: <i>Botswana Notes and Records.</i> Band 20, 1989, S. 77–90.</li>
<li>John Brearley: <i>The Segankuru – a „Bush Fiddle“ or a Bowed Bow? Some of its Exponents and their Songs.</i> In: <i>Botswana Notes and Records.</i> Band 28, 1996, S. 121–144.</li>
<li>Mothusi Phuthego: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://journals.co.za/content/botnotes/31/1/AJA052550590_51"><i>Segaba, an African zither and its potential for music education.</i></a> In: <i>Botswana Notes and Records.</i> Band 31, 2009. S. 118–128.</li>
<li>David Rycroft: <i>Friction Chordophones in South-Eastern Africa.</i> In: <i>The Galpin Society Journal.</i> Band 19, April 1966, S. 84–100.</li>
<li>Andrew Tracey: <i>Segankuru.</i> In: Laurence Libin (Hrsg.): <i>The Grove Dictionary of Musical Instruments.</i> Band 4. Oxford University Press, Oxford / New York 2014, S. 458 f.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
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<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=gbbG4OyIKmw"><i>Botswana Music Segaba – Oteng Piet – "Ngwana wa Dichabeng".</i></a> Youtube-Video</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=iEuD6bZhSJo"><i>Botswana Music Segaba "Seperuperu".</i></a> Youtube-Video</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=bJa0PhomVPU"><i>Botswana Music Segaba 3.</i></a> Youtube-Video</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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